PORTRÄT: Mehdi Moradpour

UNBESCHRIEBENE ORTE

Die Regisseurin Sandra Schüddekopf im Gespräch mit Mehdi Moradpour über seinen Text EIN KÖRPER FÜR JETZT UND HEUTE

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Der Autor Mehdi Moradpour. – Copyright: Neda Navaee

 

Man könnte sagen, dass in „Ein Körper für Jetzt und Heute“ andere Landschaften vorkommen, als wir sie jetzt so kennen, also rein von den sprachlichen Bildern her. Deine Sprache oder die Bilder, woraus speisen die sich? 

In diesem Fall habe ich lange gebraucht für diese Bilder, für diese Landschaften, weil ich auf der Suche war, vor allem nach einem Rhythmus. Also, den Ablauf des Hauptteiles hatte ich mehr oder weniger im Kopf. Das war hauptsächlich am Strand und voller Traumlandschaften. Aber ich wollte auch die Geschichte oder die Aufstiegsgeschichte von Elias erzählen, der aus dem Dorf in die Stadt kommt und dann weiterzieht, in ein anderes Land und in eine andere Landschaft, mit einem anderen Körper. Und immer weiter will. Bei dieser Suchbewegung sind verschiedene Textsorten und Rhythmen entstanden: Flächentext, Monolog, Textkörper oder Figurenrede.

Tatsächlich beziehe ich mich auf eine Mischung aus, sagen wir, ungefähr fünf Großstädten und Dörfern, die ich kenne, wo ich aufgewachsen bin, wo meine Eltern herkommen, Orte in Brasilien und Kuba, wo ich Ähnlichkeiten gefunden habe. Aber ich habe auch mit Absicht ein bisschen scheinbare Widersprüche eingebaut. Also, das sind die realistischen Bilder, die ich im Kopf hatte. Sprachlich verschiebe ich das nur. Ich versuche für das konkrete Bild manchmal noch mal ein Adjektiv oder eine Eigenschaft zu nehmen, die das Bild etwas verschieben. Vulkanschlote und Schneeberge kann es dann zum Beispiel nebeneinander geben oder ein paar Kilometer voneinander entfernt.

 

Es sind im Endeffekt dann keine konkreten Orte, an denen das für dich spielt, sondern eigentlich eher so, wie diese Figur auf der Suche nach einem Körper ist, einem eigenen jenseits von Zuweisungen, funktionieren für dich die Orte im Prinzip auch?

Einerseits sind es konkrete Orte und andererseits universelle. Es ist ja prinzipiell so, dass ich aufgrund meiner Herkunft oder meiner Herkünfte etwas vorsichtig bin. Selbst in Teheran bin ich manchmal jemand, der nicht „ursprünglich“ von da ist, sondern aus dem Norden. Und selbst im Norden waren Teile der Familie meiner Eltern Menschen, die nicht von dort sind, sondern „ursprünglich“ aus der ehemaligen Sowjetunion.

Bei allen Texten versuche ich natürlich eine konkrete Situation zu schaffen. Zum Beispiel geht es in „Türme des Schweigens“ um kommunistische Eltern mit einem muslimischen Hintergrund, die können aber aus 20 Ländern kommen. Ich versuche trotz einer konkreten Situation, eine Universalität zu schaffen. In diesem Fall ist es zum Beispiel klar, dass die Anfangssituation (Transsexualität erlaubt / Homosexualität nicht erlaubt) im Iran spielen kann. Ich denke, es ist in einigen Ländern in der Welt auch ähnlich. Aber ich versuche keine Namen zu nennen. Es geht nicht um Beliebigkeit, sondern um realistische Tatsachen, die keine extra Zuweisungen brauchen. Deswegen es stimmt schon, dass ich versuche, dadurch den Zuschreibungen zu entkommen, zugleich will ich nicht relativieren. Es ist klar, es geht um eine religiöse Familie aus einem islamischen Hintergrund. Der Sohn hat aber einen jüdischen Namen, was oft vorkommt. Und er will am Ende wie ein Jesus auf einem Kreuz liegen. Also irgendwie habe ich auch versucht, Bilder von drei monotheistischen Religionen zu verwenden. Das geschah aber am Anfang intuitiv.

 

Was für eine Vorstellung von Religion ist für dich damit verknüpft?

Judentum, Christentum und Islam haben viele Gemeinsamkeiten. Regeln für das Zusammenleben, Rituale, Symbolik, Grundpflichten oder die Heilsgeschichte: Da überschneidet sich viel. Sie sind seit Jahrtausenden im ständigen Dialog, oder Trialog, gewesen. Oder eben im Streit, im Krieg. Für mich trägt Elija, der sich selbst ab einem gewissen Zeitpunkt sehr prophetisch wahrnimmt, etwas von allen drei Religionen in sich.

 

Die Sprecherpositionen deiner Figuren sind sehr klar, das ist eine Qualität, die der Text hat. Gleichzeitig gibt es sehr viele Themen, die darin vorkommen. Neben der Transsexualität oder der Verwandlung des Körpers wird das Thema des Funktionierens des Körpers, anhand der Notwendigkeit einer Nierentransplantation für eine der Figuren, verhandelt. Man hat das Gefühl, es werden Themen angerissen, und das eröffnet viel Raum, über diese nachzudenken, gleichzeitig ist es nicht so leicht, all diese Ebenen, wenn ich den Text nur einmal höre, zu erschließen. Gibt es für dich eine Vorstellung, wie der Zuschauer als Theaterzuschauer damit umgehen könnte?

Ich versuche erst mal, eine eigene Realität innerhalb des Textes zu schaffen. Eine eigene Gesetzmäßigkeit innerhalb des Textes. Etwas, das kein reines Festland ist. Wahrscheinlich wuchert es deshalb auch ein wenig und es gibt manchmal viele Ebenen, weil jede Realität komplex ist. Irgendwann ist aber klar, welche Hauptthemen es gibt. Wichtig ist für mich die Zugänglichkeit der Zuschauenden zu einem oder mehreren Bereichen.

Ich gebe aber auch gleichzeitig zu, dass ich manchmal Schwierigkeiten habe, permanent zu denken, da sitzen Leute und schauen hin. Das kann mich oft beflügeln, aber manchmal denke ich auch, bestimmte Teile und Landschaftsbeschreibungen gehören für mich zwar dazu, das könnte aber in den Theaterraum nicht so einfach hineinpassen oder zu den Textteilen, die griffiger sind, dann denke ich, dass ist ja auch nicht immer meine Aufgabe, zum Glück.

 

Es gibt ja auch Abschnitte, die ich auf einer atmosphärischen und nicht rationalen Ebene verstehen kann. Trotzdem beschäftigt mich als Regisseurin dieses Wuchern der Sprache und der Themen für eine mögliche Umsetzung auf der Bühne. Auch für eine Übersetzung ist dieser Text ja eine sehr große Herausforderung.

Ja, eine erfahrene Übersetzerin, mit der ich arbeite, hat gesagt, das ist sicher einer meiner schwierigen Texte, aber sie übersetzt ihn gerade ins Englische. Weil es für sie wie eine Reise ist, und ich liebe es, im Prozess der Übersetzung permanent in Kontakt zu sein. Das mache ich auch, wenn ich selbst übersetze. „Mumien. Ein Heimspiel“ wurde ins Italienische übersetzt, da gibt es auch dichte Stellen am Ende und da kam die Übersetzerin mit italienischen Beispielen, und da ich Spanisch kann und sie auch ein bisschen, hat der Austausch gut funktioniert. Irgendwann bin ich darauf gekommen, sie soll sehr frei arbeiten.

 

Ihr seid also über mehrere Sprachen gegangen?

Genau. Ich bin der Meinung, wir müssen Verluste in Kauf nehmen, für mich ist es viel wichtiger, dass der Übersetzer / die Übersetzerin ein gutes Gefühl hat, auch für das Land, wo der Ausgangstext gelesen oder gesehen werden soll.

Mumien hat ja schon im Titel ein Heimspiel. Und es spielt im und in der Umgebung eines Asylbewerberheims. Und diese Doppelung funktioniert natürlich in anderen Sprachen nicht. Ich spiele da außerdem mit den Begriffen „heimlich“, „unheimlich“, „heimelig“, „heim gehen“, „heim sterben“ und habe da auch manche Paarungen erfunden. Und dann habe ich gesagt, versuch mal, wo du kannst, Paare zu bilden, und wenn es nicht geht, dann bilde sie an anderen Stellen. Nicht nur semantisch, sondern auch klanglich.

 

Mich erinnert die Thematik von „Ein Körper für Jetzt und Heute“ auch an A Manifesto for Cyborgs von Donna Haraway, einen Text aus den 80er Jahren.

Elija geht es ja um die Zukunft des Körpers, um die Allianzen zwischen Organismus und Maschine, also um dieses Cyborg-Werden, sich auflösen und in einem unbeschriebenen Ort neu zusammensetzen, zugleich darum, sich eine neue Welt vorzustellen, wo neue soziale Strukturen und Fragen permanent behandelt werden. Denn das ist ein Stück, in dem es primär um die soziale Neugestaltung der Welt geht, als nur um isolierte Identitätskonzepte oder Verschiebung des Menschseins.

 

Noch mal zur sozialen Frage der Körper – der Gedanke, dass so ein technisierter Körper jenseits der Zuschreibungen etwas positiv Grenzüberschreitendes sein kann, spielt ja heute eigentlich keine Rolle mehr, weil die Idee der Optimierung der Körper in den Vordergrund gerückt ist: Da finde ich interessant, dass du dich jenseits der Optimierung mit der Frage beschäftigst, was kann überhaupt ein Ort jenseits der Zuschreibungen sein und wie können wir dort hingelangen. Also mit der Suche nach dem utopischen Moment dieser Körper.

Ja. Ich hatte eine ältere Version, wo der Fokus nur auf rein utopischer Gestaltung lag. Im Laufe des Schreibens ist mir aber dann klar geworden, es wird doch auch eine Geschichte sein, wo Elija scheitert. Weil er prophetische Visionen hat und jeden Einsatz von technischen und medizinischen Mitteln prinzipiell zuerst bejaht, um sein Ziel zu erreichen, scheitert er. Und das öffnet die Debatte, denke ich. Er behauptet, ich vergesse meine soziale Herkunft nicht. Zwar ist meine Cousine eine Reiche, die eine Ölfirma hat, aber ich denke bei der Überwindung der körperlichen Einschränkungen immer an die soziale Frage und neue Allianzen. Er überlegt sich: Wie können wir anhand der Technik neue Widerstandsbewegungen schaffen? Wir hatten eine Lesung in Berlin, und bei der Besprechung lag der Fokus darauf, dass wir die Technik nicht komplett sozial steuern können. Am Ende bin ich an den Punkt gekommen, dass es vielleicht besser ist, dass er – oder sie  daran scheitert, um diese Fragen in den Raum zu werfen.

Bezüglich der technischen Möglichkeiten war es so: Je mehr ich konkretisiert habe, was Elija für seine Utopie haben und wollen könnte, umso mehr merkte ich, die Technik ist schon vor zehn Jahren weiter gewesen, als ich ihn denken lassen könnte. Ich würde sagen, ich belasse das Thema ambivalent, weil es immer so bleiben wird, und zeige damit ein bisschen, dass eine ruckartige utopische Grenzüberschreitung an den Forderungen der Gesellschaft scheitern kann.

Haraway sieht das Cyborg-Werden ja auch positiv, würde ich sagen. Das kann man so vielleicht aus der heutigen Perspektive nicht mehr nur so sehen. Es wird letzten Endes immer eine Mischung aus beidem sein. Utopische Visionen schlagen neue Schneisen, sie zwingen uns, aus dem Gewohnten herauszutreten, um das Gewöhnliche überhaupt erst sehen zu können. Gefahren sind dabei produktive Kollateralschäden.

 

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Illustration zur Uraufführung am Schauspielhaus Wien. – Copyright: Schauspielhaus Wien

IRYNA HERASIMOVICH übersetzt EIN KÖRPER FÜR JETZT UND HEUTE durch Vermittlung von EURODRAM aktuell ins Weissrussische; gefördert mit einem Übersetzungsstipendium des Goethe Instituts.

 

KURZBIOGRAPHIE 

Mehdi Moradpour, geboren in Teheran, ist Autor, Übersetzer und Dolmetscher (Farsi / Dari und Spanisch) und lebt seit 2001 in Deutschland. Er studierte Physik und Industrietechnik in Iran und ab 2004 Hispanistik, Soziologie, Amerikanistik und Arabistik in Leipzig und Havanna. 2014 bis 2016 besuchte der den Lehrgang „Forum Text“ der Uni Graz.

Für MUMIEN. EIN HEIMSPIEL bekam er 2015 den Jurypreis des 3. Autorenwettbewerbs der Theater St. Gallen und Konstanz; für TÜRME DES SCHWEIGENS den exil-DramatikerInnen-Preis 2016 der Wiener Wortstätten. Im selben Jahr wurde sein Musiktheaterstück CHEMO BROTHER an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführt. Er erhielt 2017 den Christian-Dietrich-Grabe-Preis für REINES LAND.

 

RECHTE:

Suhrkamp Verlag

Kontakt: theater@suhrkamp.de

 

 

 

 

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AKTIVITÄTEN: EURODRAM beim 4+1-Autor*innentreffen in Leipzig

Wie schon 2016 wird das europäische Netzwerk für Dramatik in Übersetzung EURODRAM auch in diesem Jahr wieder beim Treffen junger Autor*innen 4+1 am Schauspiel Leipzig zu Gast sein. Das Festival läuft vom 11.-13. April 2018 und stellt in szenischen Lesungen und Gesprächen junge Autor*innen der Lehrinstitute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vor.

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AUSWAHL 2017

Die Eurodram-Auswahl 2017 steht fest.

Das DEUTSCHSPRACHIGE KOMITEE hat sich in diesem Jahr für die folgenden Titel entschieden (in alphabetischer Reihenfolge):

Alexander Manuiloff:
„Der Staat“
(Aus dem Bulgarischen / Englischen von Hannes Becker)

Ivor Martinić:
„Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum“
(Aus dem Kroatischen von Blazena Radas)

Simona Semenič:
„sieben köchinnen, vier soldaten und drei sophien“
(Aus dem Slowenischen von Urška Brodar)

Wir gratulieren den AutorInnen und ÜbersetzerInnen herzlich!

Wer das mit der Ausschreibung verbundene Übersetzer-Stipendium erhält, veröffentlichen wir in der kommenden Woche.

Die erste Veranstaltung mit der neuen Auswahl wird voraussichtlich am 23. bis 25. Juni in Mannheim im Theaterhaus G7 stattfinden. Dazu demnächst noch mehr.

Außerdem werden wir in den nächsten Wochen Artikel zu den einzelnen Titeln der Auswahl auf unserem Blog veröffentlichen.

Auch in diesem Jahr haben uns wieder viele Texte begeistert, die nicht alle einen Platz in unserer Auswahl finden können. Deswegen veröffentlichen wir wieder eine Liste unserer „Weiteren Empfehlungen“ (in alphabetischer Reihenfolge):

Lucie Depauw:
Dekompressionskammer.
(Aus dem Französischen von Wolfgang Barth.)

Julie Maj Jacobsen:
Abgefuckt.
(Aus dem Dänischen von Franziska Koller)

Koffi Kwahulé:
Misterioso.
(Aus dem Französischen von Heinz Schwarzinger.)

Jacques Probst:
Sturm über Eastbourne.
(Aus dem Französischen von Yves Raeber.)

Sollten Sie Interesse an einem der Texte haben, stellen wir gerne einen Kontakt her.

UND HIER FINDEN SIE DIE ERGEBNISSE DER ANDEREN EURODRAM-KOMITEES:

Bosanski/Crnogorski/Hrvatski/Srpski :
– Himmelweg, Huan Majorga (Juan Mayorga), sa španskog prevela Jasna Stojanović
– Ja sam vetar (Eg er vinden), Jun Fose (Jon Fosse), s norveškog preveo Radoš Kosović
– Jedini ja utekoh (Escaped alone), Keril Čerčil (Caryl Churchill), sa engleskog prevela Ivana Brozić
– Moja mama Kleopatra (Anyám, Kléopátra), Atila Bartis (Attila Bartis), s mađarskog prevela Xenia Detoni

Български (Bulgarian) :
– Каре (Els jugadors), Пау Мирò (Pau Miró), превод от каталонски Нева Мичева
– Нелегални помагачи (Illegale Helfer), Макси Обексер (Maxi Obexer), превод от немски Гергана Димитрова

Deutsch :
– Der Staat (The State), von Alexander Manuiloff, übersetzt aus dem Englischen von Hannes Becker
– Drama über Mirjana und die Menschen um sie herum (Drama o Mirjani i ovima oko nje), von Ivor Martinić, übersetzt aus dem Kroatischen von Blazena Radas
– Sieben Köchinnen, vier Soldaten und drei Sophien (Sedem kuharic, štirje soldati in tri Sofije), von Simona Semenič, übersetzt aus dem Slowenischen von Urška Brodar

Ελληνικά (Greek) :
– Heisenberg του Σάιμον Στίβενς (αρχική γλώσσα γραφής Αγγλικά) σε μετάφραση του Μενέλαου Καραντζά
Heisenberg, by Simon Stephens, translated from English by Menelaos Karantzas
– Το μικρό πόνι του Πάκο Μπεθέρα (αρχική γλώσσα γραφής Ισπανικά) σε μετάφραση της Μαρίας Χατζηεμμανουήλ.
Το μικρό πόνι (El pequeño poni), by Paco Bezerra, translated from Spanish by Maria Chatziemmanouil
– Η κοπέλα από το πρακτορείο ταξιδίων μας είπε ότι το διαμέρισμα έχει πισίνα του Πάμπλο Γκισμπέρτ (αρχική γλώσσα γραφής Ισπανικά), σε μετάφραση της Κυριακής Χριστοφορίδη
Η κοπέλα από το πρακτορείο ταξιδίων μας είπε ότι το διαμέρισμα έχει πισίνα (La chica de la agencia de viajes nos dijo que había piscina en el apartamento), by Pablo Gisbert, translated from Spanish by Kiriaki Christoforidi

English :
– Mihaela, the tiger of our town – A mockumentary play (Mihaela, tigrul din orașul nostru), by Gianina Cărbunariu, translated from Romanian by James Christian Brown
– A play with four actors and some pigs and some cows and some horses and a prime minister and a Milka cow and some local and international inspectors (Një shfaqje teatri me katër aktorë me disa derra me disa lopë me disa kuaj me një kryeministër me një milka e me disa inspektorë vendës e ndërkombëtarë), by Jeton Neziraj, translated from Albanian by Alexandra Channer
– Who is Mr Schmitt ? (Qui est Monsieur Schmitt ?), by Sébastien Thiéry, translated from French by Charlie Gobbett

Español :
– Ejercicio para rodillas fuertes (Ασκήσεις για γερά γόνατα), por Andreas Flourakis, traducida del griego por Marilena Paterianaki

Français :
– Good Bye Europa. Lost Words de Davide Carnevali, traduit de l’italien par Caroline Michel
– J’appelle mes frères (Jag ringer mina bröder), de Jonas Hassen Khemiri, traduit du suédois par Marianne Segol
– Notre classe (Nasza klasa), de Tadeusz Słobodzianek, traduit du polonais par Cécile Bocianowski

עִבְרִית (Hebrew) :
רכניץ (מלאך החנק) מאת אלפרידה ילינק תרגם מגרמנית חנן אלשטיין
– (Rechnitz), by Elfriede Jelinek, translated from German by Hanan Elstein
גנבים מאת דיאה לוהר תרגמה מגרמנית עינת ברנובסקי
– (Diebe), by Dea Loher, translated from German by Einat Baranovsky
איך אתה מספר את המשחק מאת יסמינה רזה תרגם מצרפתית ניר רצ׳קובסקי
– (Comment vous racontez la partie), by Yasmina Reza, translated from French by Nir Ratzkovsky

Magyar :
– Selection delayed due to force majeure – will be online soon.

Italiano :
– Every Brilliant Thing, di Duncan Macmillan, tradotto dall’inglese da Michele Panella
– Voglio un paese (Θέλω μια χώρα), di Andreas Flourakis, tradotto dal greco da Gilda Tentorio
– Se questo fosse uno spettacolo… (Kad bo ovo bila predstava…), di Almir Imširević, tradotto dal bosniaco da Elisa Copetti

Polski :
– Ja sam uszedłem (Escaped alone), Caryl Churchill, przekład z języka angielskiego Małgorzata Semil
– System Ponziego (Le Système de Ponzi), David Lescot, przekład z języka francuskiego Piotr Olkusz
– Jesień poddanych (Der Herbst der Untertanen), Nino Haratischwili, przekład z języka niemieckiego Iwona Uberman

Português :
– Totalmente Esquecer-te (Totally Over You), de Mark Ravenhill, traduzido do Inglês por Jorge Louraço Figueira
– Quero Um País (Θέλω Μια Χώρα), de Andreas Flourakis, traduzido do Grego por José António Costa Ideias
– O Padrão da Raça (Standard of the Breed), de John Steppling, traduzido do Inglês por Nuno Santos

Română :
– Căpcăuni (Les Ogres), Yann Verburgh, traducere din limba franceză de Eugen Jebeleanu
– Trucul lui Patrick (Patricks Trick), Kristo Šagor, traducere din limba germană de Ciprian Marinescu
– Hikikomori, Holger Schober, traducere din limba germană de Ciprian Marinescu

Shqip (Albanian) :
– Demoni nga Debar Maalo (Demonot od Debar Maalo), nga Goran Stefanovski, përktheu nga maqedonishtja Milena Selimi
– Lasicët (Lasice), nga Bojana Mijović, përktheu nga gjuha malazeze Shkelzen Maliqi
– Mihaela, tigresha e qytetit tonë (Mihaela, tigrul din orașul nostru), nga Gianina Cărbunariu, përktheu nga rumanishtja Ardian Ch. Kyçyku

Türkçe :
– Beklenmeyen Gece (The Way We Get By), yazan Neil La Bute, çevirinin yapıldığı dil İngilizce, çeviren Ceren Aksakal
– Kış Dönümü (Midwinter), yazan Zinnie Harris, çevirinin yapıldığı dil İngilizce, çeviren Rasim Erdem Avşar
– Kosovalı Peer Gynt (Peer Gynti nga Kosova), yazan Jeton Neziraj, çevirinin yapıldığı dil Arnavutça, çeviren Senem Cevher, Arnavutça’dan İngilizce’ye çeviren Alexandra Channer.

Украинский (Ukrainien) :
– Selection delayed due to force majeure – will be online soon.

Jahresversammlung 2016 in Istanbul

Von Henning Bochert

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Die Eurodram-Koordinatoren und einige Komiteemitglieder und Gäste bei der Jahresbilanz. – Foto: Henning Bochert

In diesem Jahr findet die Eurodram-Generalversammlung in Istanbul statt. Die präzise Planung von Hakan Silahsizoglu, Übersetzer, Schauspieler und Koordinator des türkischen Komitees, sorgt schon lange im Vorfeld für umfangreiche Informationen. Dank Hakan ist die Versammlung Teil des Istanbuler Theaterfestivals TIYATRO. Darüber hinaus findet parallel eine der beiden Jahresversammlungen der internationalen Autorenvereinigung THE FENCE statt. Es gibt also viel Programm und noch mehr Gesichter und Sprachen.

Donnerstag

Istanbul, einzigartige Stadt am Bosporus, 15 Millionen Menschen auf den verschiedenen Ufern – oder sind es Küsten? –, den Landzungen. Zuerst ist diese Stadt nur eine U-Bahnfahrt ins Zentrum, wie immer scheinbar endlos, wenn man die Strecke nicht kennt. Kaum im Hotel im Ortsteil Șișli angekommen, geht es auch schon weiter zum ersten Abendprogrammpunkt. Wir dürfen exklusiv eine Generalprobe des Stücks EV’VEL ZAMAN (HOUSE UPON A TIME) von Gülce Ugurlu besuchen, die auch Regie führt. Drei junge Darsteller (M, F, F) spielen zwei Schwestern und einen Architekten. Die Schwestern erben das Haus der Großmutter am Rande Istanbuls, einem Entwicklungsviertel, in dem die Preise rasch steigen. Was tun wir mit dem Haus? Verkaufen? Behalten? Eine Schwester ist strikt gegen den Verkauf, die andere, beeinflusst vom Architekten, der ein Geschäft wittert, möchte den alten Kasten loswerden. Eine Art Kirschgarten auf Istanbulisch, die Inszenierung stark bestimmt vom Bühnenbild aus zahlreichen hellen, kniehohen Holzwinkeln, die sich mit jeder neuen Anordnung in Sitzgelegenheiten, Irrgärten, gefährlich hohe Säulen oder Stapel weggeräumter Möbel verwandeln. Das verleiht dem Abend und seiner dichten Geschichte eine strenge Form, die gut zusammenhält. Gentrifizierung und Verdrängung ist also auch hier in dieser ständig wachsenden Riesenstadt ein Thema. Die Übertitel jagen einander über der Bühne, unmöglich, der obschon guten englischen Übersetzung zu folgen, denn – einer der beiden Kardinalfehler bei Übertiteln – es wurde für die Titel keine Strichfassung erstellt.

Später ein erstes Essen, Kennenlernen der Autor*innen von FENCE und der Übersetzer*innen, Schauspieler*innen, Dramaturg*innen etc. von Eurodram. Einige bekannte, viele neue Gesichter, dazu der Reiz einer Gemengelage aus unbekannten Sprachen, der Beteiligten aus 20 Ländern und sicher 15 Sprachen. Ständig muss irgendwas für irgendwen übersetzt werden, die Köpfe wenden sich, und die Sprache wechselt mitunter mitten im Satz. Der Reiz des Nichtverstehens: aufregend und inspirierend.

Ein letzter, erschöpfter Blick aus dem Hotelzimmer über das nächtliche Istanbul, Möwen krächzen von den Dächern, als ob Katzen erdrosselt würden. Dann der nötige Schlaf.

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Vorstellung der Stückauswahl des Bulgarischen Komitees. – Foto: Henning Bochert

Freitag

Um halb zehn versammeln wir uns im Marmara Hotel unweit des „Wohnhotels“ in zwei nebeneinander gelegenen Räumen, hier FENCE, da Eurodram. Die Vormittagsstunden rauschen vorüber, indem Dominique Dolmieu, der Pariser Generalkoordinator und Mitglied des französischen Komitees, die einzelnen Komitees aufruft und über ihre Arbeit berichten lässt: wie viele Mitglieder habt ihr, welche Aktionen habt ihr geplant oder welche konntet ihr durchführen, was braucht ihr. Fast alle brauchen Geld, um wenigstens Reisekosten nicht selbst zahlen zu müssen. Das deutsche Komitee ist mit fünf Anwesenden am stärksten vertreten, auch vom türkischen Komitee kommen im Laufe dieses und des folgenden Tages Mitglieder dazu. Selbstverständlich sind die Nachbarn Griechenland und Bulgarien vertreten, aber auch die Delegierten der ungarischen, portugiesischen, albanischen und hebräischen Komitees sind angereist. Sehr unterschiedlich fällt die Arbeit der Komitees aus: Stücke auszuwählen, diese Auswahl sichtbar zu machen und die Stücke zu empfehlen. Alles ist gemeinnützig, ehrenamtlich, eine Arbeit Wahnsinniger, von denen nicht gesagt werden kann, dass sie nichts Besseres zu tun hätten, im Gegenteil sind die meisten noch mit hundert anderen Dingen beschäftigt, und gerade deswegen fällt es den Komitees häufig schwer, genügend Zeit zum Lesen der Einsendungen zu finden oder auch nur einen Aufruf dazu bekannt zu machen. Dennoch gelingt es. Sehr wenige Komitees wie das bulgarische und das deutsche und das kosovarische können überhaupt mit Förderungen aufwarten, die aber auch nicht unbedingt für die eigene Arbeit verwendet werden, sondern für die Förderung des Organisationsziels, z. B. zur Finanzierung der Reisen oder für Übersetzungen der Auswahl in andere Sprachen.

Zum Mittag verteilen sich die Teilnehmer der beiden Gruppen neu gemischt auf nahe Restaurants, neugierige Gespräche allerorten: woher seid ihr nochmal, was machst du sonst so?

Der Nachmittag ist der Auswahl der Stücke der Komitees gewidmet. Die Koordinator*innen berichten dem Alphabet der Sprachen nach über die jeweils drei ausgewählten, originalsprachlichen Titel dieses Jahres, referieren kurz die Handlung, etwas über die Autor*innen, die Übersetzer*innen, etwas zur Rezeptionsgeschichte, und angesichts des knappen Zeitplans mahnt Dominique: Two more minutes! Schließlich, als die Luft im fensterlosen Konferenzraum nach Nedas „u“krainischem Komitee nahezu komplett von Sauerstoff befreit ist, stürzen wir befreit auf die Straße.

Schaffen wir es noch, vor der Abendvorstellung etwas zu essen? Wer schaut sich was an? Welcher Gruppe schließe ich mich an? Wir fahren bis zum Taksim und gehen durch die auch jetzt am Abend überaus geschäftige Geschäftsstraße zu einem kleinen Restaurant mit hervorragender Küche. Hauptsächlich Fencer haben sich hier versammelt und müssen ihr Essen rasch hinunterschlingen, um nicht zu spät zur Vorstellung in der garagistanbul um die Ecke zu kommen. Im Stück YAŞLI ÇOCUK (OLD CHILD) erleben vier Figuren ihre Geschichte, und erst zum Ende hin wird dem Zuschauer enthüllt: sie sind Geister, sie sind alle gestorben, aus jemandes Leben gerissen, durch Flucht, durch eine Bombe, vom Boot ins Meer gefallen, in den Kampf gezogen… Leider hat sich die Regie für einen Musikteppich entschieden, und auch wenn die Figuren so wenig und langsam und mit Wiederholungen sprechen, dass Geschwindigkeit der Übertitel kein Problem darstellt, gerät dieser Abend zu einem für den Geschmack der meisten Zuschauer entsetzlich kitschigen, vagen Brei in einem Bühnenbild willkürlich wirkender Surrealität.

Im Anschluss trifft sich, was nicht schon komplett erledigt ist und nur noch schlafen will, in einer coolen Bar um die Ecke gleich neben der İstiklal Avenue, wo noch Straßenkünstler herumsingen, die Eisverkäufer sich gegenseitig in Eiskremakrobatik überbeiten und eine historische Straßenbahn herumbimmelt.

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Vorstellung der Stückauswahl des Hebräischen Komitees. – Foto: Adi Kuneva

Samstag

Am Vormittag bringt Hakans Organisationstalent die Teilnehmer der Fence- und Eurodram-Versammlungen mit der Festivalleitung sowie Theatermachern aus der Türkei zusammen. Eine riesige Vorstellungsrunde der Einzelnen im vollen Raum sowie auch der beiden Organisationen durch Dominique Dolmieu (Eurodram) und Jonathan Meth (Fence). Der Autor und Wissenschaftler Hasan Erkek berichtet sehr knapp über die Geschichte der türkischen Dramatik und des Theaters in diesem Land, auch der Autor Tuncer Cucenoglu meldet sich mehrfach engagiert zu Wort. Auch der kurdische Autor Mirza Metin war anwesend (sein Stück ist Teil der Auswahl des türkischsprachigen Komitees). Die Festivalleiterin Leman Yilmaz berichtet über Geschichte und Struktur des Festivals und seine schwierige Situation, das es lediglich zu 5 % des Budgets aus öffentlichen Mitteln unterstützt wird, während das Budget für jedes Festival neu von Sponsoren und Spendern aus der Wirtschaft oder privat eingeworben werden muss. Nach einem ersten empörten Raunen wird deutlich, dass damit in der aktuellen politischen Situation aber auch eine künstlerische Freiheit gewahrt bleibt. Das Festival hat sich zum Ziel gesetzt, selbst viele hervorzubringen und also Premieren zu zeigen.

Am Nachmittag bespricht Eurodram seine Bemühungen, über das Creative-Europe-Programm der EU eine Förderung für das gesamte Unternehmen zu bekommen. Dafür arbeitet seit Monaten ein Sonderkomitee, bei dem sich insbesondere Clara Schwartzenberg von der Maison de l’Orient et de l’Europe (Dominique Dolmieus Theater in Paris) federführend ins Zeug legt.

Derweil besuchen wir eine Vorstellung des Stücks KÖPEKLERİN İSYAN GÜNÜ („The Rebellion Day of Dogs“ steht im Programm), einer Koproduktion mit dem Festival und dem São Luiz Teatro Municipal, Portugal. Das Stück erzählt die Geschichte zweier junger Kurden, die beide für dasselbe wohlsituierte türkische Paar arbeiten. Er führt die Hunde aus, sie pflegt die Mutter der Kundin. Die Mutter stirbt, und die Pflegehilfe traut sich nicht, die schlechte Nachricht zu überbringen. Derweil verdächtigt der Mann den Hundeausführer, die Tiere schlecht zu behandeln, zu stehlen, bis er eine regelrechte Paranoia entwickelt. Die junge Frau hofft auf die Hilfe des jungen Mannes und lockt ihn in die Wohnung der Toten. Als er sich weigert, stürzt sie sich aus dem Fenster.

Während die Geschichte von Ceren Ercan interessant klingt, ist das Regiedebut von Mark Levitas ungenügend. Die Schauspieler wissen meist nicht, was sie zu tun haben, viele Situationen sind undeutlich erzählt, insbesondere der Schluss mit dem Tod der jungen Frau kann nur vermutet werden. Überhaupt nicht gedient ist der Inszenierung mit dem Bühnenbild (Cem Yılmazer) aus drei ineinandergestellten, u-förmigen  Winkelelementen auf Rädern, von denen man weder weiß, was sie sein noch was sie bedeuten sollen, und die den Schauspielern gelegentlich auch mal auf die Füße fallen. Dazu sorgen die Übertitel, die lediglich für zirka zehn Plätze in einem bestimmten Bereich des Zuschauerraums lesbar sind, mit ihrem kreativen Englisch für zusätzliche Unterhaltung („He has swollen a bone“). Wieder wurde gen Ende des Stücks eine Art repetitiver Musikteppich unterlegt, auch wenn die Musik weniger furchtbar war als am Abend zuvor, so blieb dennoch unklar, was sie genau vermitteln wollte.

Kaum zurück im Hotel, geht es gleich weiter zum Caddebostan Kültür Merkezi auf der anatolischen Seite Istanbuls zur Abendvorstellung von ÜÇ KIZ KARDEŞ (DREI SCHWESTERN von Anton Tschechow) in der Inszenierung von Aleksandar Popovski. Die Zeit ist knapp, denn wir müssen mit einer großen Gruppe in mehreren Taxis zum Bosporus, um rechtzeitig eine Fähre nach Üşküdar zu erwischen. Von dort geht es weiter  in den aufgeräumter wirkenden Osten der Stadt. Der große Kinosaal liegt im obersten Stockwerk eines Einkaufszentrums. Die ersten Übertitel sind türkisch, denn die drei jungen Darstellerinnen auf der Bühne sprechen Englisch. In einem folienbespannten Quader sitzen sie in goldfarbene Wärmedecken gehüllt auf einer Kiste und singen hin und wieder auf Deutsch Nicoles „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen“ von 1982, Karaoke zum Handyklang. Die Inszenierung wirkt aufgeweckt, jung. Die Darstellerinnen strahlen Freude an ihrer Arbeit sogar über die weite Distanz zur Bühne hin aus, die sprachliche Vielfalt wirkt zeitgemäß, natürlich sind wir belustigt, dass die türkischen Schauspielerinnen die Sehnsucht ihrer Figuren nicht nur nach Moskau, sondern auch nach Berlin ausdrücken. Gen Ende des Stücks holen sie die tschechow‘schen Textbücher aus der Kiste, verwandeln ihre Kostüme mit ein paar Handgriffen in eher historische Anmutung und sprechen Auszüge aus dem Originaltext. Plötzlich ist die vierte Wand da, eine interessante ästhetische Wandlung, aber zack! ertönt auch wieder der musikalische Klangteppich. Außerdem hören wir die Stimmen der Männerfiguren, während die nun russischen Frauen auf der Bühne wie entrückt gegen die sich unter Besprühung magisch auflösenden Folienwände sprechen. Am Ende brüllen sie, wieder umgezogen, noch einmal unmissverständlich ins Publikum, dass sie nicht die drei Schwestern seien, sondern lediglich Schauspielerinnen, die diese spielen. Alles in allem und trotz einiger Fragezeichen die am besten gelungene Inszenierung von den wenigen, die wir beim Festival sehen können.

Auf der Rückfahrt nach Șișli fällt noch einmal auf, wie leer die Fähre ist. Inzwischen ist es dunkel, das Boot gleitet vorbei an bunt beleuchteten Moscheen, Hafenanlagen, der Universität, den Brücken über den Bosporus, auf dem Oberdeck regnet es, wie es überhaupt recht kühl ist an diesem vorletzten Tag, und im Innenraum spielt ein junger Mann wunderbar auf der Saz, ein anderer sammelt Geld ein. Üblicherweise sind diese Fährschiffe um diese Jahreszeit besonders tagsüber brechend voll mit Touristen. Aufgrund der Anschläge im Frühjahr sind aber eine Million Touristen der Stadt spürbar ferngeblieben, worunter die Geschäfte entsprechend zu leiden haben. Wir fahren ein Stück mit der U-Bahn und steigen im stärker werdenden Regen durch die historische Bankenstraße bis zum Taksim hoch, wo wir in einem Lokal einige der restlichen Teilnehmer treffen wollen. Oben angekommen sind allerdings die meisten müde und vom Regen durchnässt und kehren lieber ins Hotel zurück.

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Istanbul. – Foto: Henning Bochert

Sonntag

Schon beim Frühstück sagen die ersten Auf Wiedersehen. Andere führt eine Gratis-Stadtführung (sehr zu empfehlen: Free Tour von viaurbis) am Morgen endlich in den historischen Stadtkern. Nach den anstrengenden Konferenztagen und buchstäblich kurz vor dem Abflug kommt man hier endlich an in Istanbul. Und obgleich uns unser sehr interessanter Führer, dessen umfassende Kenntnisse die mediterrane antike Architektur ebenso erschließen wie die moderne Popmusik, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten präsentiert und in historischen Zusammenhang stellt, bleibt keine Zeit, auch nur die Hagia Sophia von innen zu sehen. Teşekkür ederim, Istanbul, wir kommen wieder!

 

Der Originaltext ist erschienen auf http://henningbochert.de

 

Wer noch weiterlesen möchte, findet den Bericht des Koordinators des französischen Komitees (Gilles Boulan) hier in deutscher Übersetzung unseres Komitee-Mitglieds Wolfgang Barth:

http://vieuxloup.de/eurodram-hauptversammlung-in-istanbul-19-22-mai-2016/

 

 

 

 

AKTIVITÄTEN: Lesung am 31.Mai am Nationaltheater Mannheim

Wir freuen uns, dass unsere erste EURODRAM-Veranstaltung im deutschsprachigen Raum einen so regen Zuspruch gefunden hat.

Lesung
Lesung „DIE PRÜFUNG“.
© H. Bochert

Wir danken dem Nationaltheater Mannheim für die Kooperation, besonders natürlich den lesenden Schauspielern, Inka Neubert und Sandra Schüddekopf für die Einrichtung der Texte, der Autorin Maria Tryti Vennerød und der Übersetzerin Sabine Heymann für die Gespräche, den angereisten Komiteemitgliedern und Zuschauern für ihr Kommen und die lebhafte Diskussion, sowie den beteiligten Verlagen und Agenturen (Per H. Lauke Verlag, Nordiska Agentur, Agencja Dramatu) für ihr Entgegenkommen und Theater Heute für die unterstützende Werbung.

Wir freuen uns schon auf die nächste EURODRAM-Veranstaltung im Herbst in Wien am Theater Drachengasse.

Ragna Pitoll liest
Ragna Pitoll liest „EINE NICHT UMERZIEHBARE FRAU“
© H. Bochert

Lesung 1:

Stefano Massini: Eine nicht umerziehbare Frau. (Aus dem Italienischen von Sabine Heymann.)

Mit: Ragna Pitoll.

Einrichtung: Inka Neubert

Lesung 2:

Maria Tryti Vennerød: Die Prüfung. (Aus dem Norwegischen von Nelly Winterhalder.)

Mit: Michaela Klamminger, Reinhard Mahlberg, Matthias Thömmes, Ragna Pitoll, Sven Prietz.

Einrichtung: Inka Neubert

Lesung 3:

Malgorzata Sikorska-Miszczuk: Der Koffer. (Aus dem Polnischen von Andreas Volk.)

Mit: Michaela Klamminger, Boris Koneczny, Jacques Malan, Ragna Pitoll.

Einrichtung: Sandra Schüddekopf

Moderation:

Henning Bochert, Stefanie Gottfried, Ulrike Syha

Lesung
Lesung „DER KOFFER“.
© H. Bochert

Und das sagt die Presse:

http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/regionale-kultur/umerziehen-unerwunscht-1.2271336

Zuschauer bei der Abschlußdiskussion. © H. Bochert
Zuschauer bei der Abschlußdiskussion.
© H. Bochert
Stefanie Gottfried im Gespräch mit Sabine Heymann. © W. Barth
Stefanie Gottfried im Gespräch mit Sabine Heymann.
© W. Barth
Abschlußdiskussion. © W. Barth
Abschlußdiskussion.
© W. Barth